Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (1. Fassung)

WS 2004/05: Proseminar an der Universität Stuttgart

Kellers erste Fassung des "Grünen Heinrich" steht im Mittelpunkt des Seminars. Der Jugendroman Kellers bietet zunächst eine in seiner Ungezwungenheit bezaubernde Schilderung der ersten erotischen, intellektuellen und künstlerischen Erfahrungen eines jungen Mannes, der sich unbesehen aller Schwierigkeiten in den Kopf gesetzt hat, Landschaftsmaler zu werden. Gleichzeitig vermittelt er in der Geschichte seines Scheiterns bedrängende Einblicke in den Alltag des 19. Jahrhunderts und öffnet darüber hinausgehend ein Fenster zu den ökonomischen, ästhetischen und bildungspolitischen Problemen und Debatten der Zeit. Im Seminar werden Textanalyse und kulturgeschichtlicher Ausblick miteinander verbunden, dabei werden auch Fragen zur zeitgenössischen Realismusdebatte behandelt.

Bitte vor dem Seminar anschaffen, lesen und mitbringen:

  • Gottfried Keller: Der grüne Heinrich. Nach der ersten Fassung 1854/55. Hrsg. v. Jörg Drews. Stuttgart 2003 (Reclam Universal-Bibliothek Nr. 18282)

Für einen Schein ist die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit Voraussetzung. Über einen kurzen Einblick in Ihre Arbeit in Form eines mündlichen Referates im Seminar würde ich mich freuen.

Anmeldung bitte unter mail@andrea-gnam.de.

Literaturliste

Primärliteratur/Grundlegendes

Lesetext

  • "Der grüne Heinrich" Erste Fassung. Hrsg.v. Jörg Drews, (Reclamausgabe)

kommentierte Werksausgabe

Im Präsenzbestand des Instituts befindet sich ein Exemplar der kommentierten Werkausgabe

  • Sämtliche Werke in 7 Bänden. Hrsg.v. Thomas Böning, Gerhard Kaiser, Kai Kauffmann, Dominik Müller, Bettina Schulte-Böning Bd 2: Der grüne Heinrich. 1. Fassung. Hrsg.v. Th. Böning u. G. Kaiser. Ffm 1985 180,2

aktuelle Bibliografie

  • Gerlach, Ulrich Henry: Gottfried-Keller-Bibliographie. Tübingen 2003

Standort: Württ. Landesbibliothek Präsenzbestand und Uni-Bibliothek Stuttgart Präsenzbestand Lesesaal Stadtmitte

Sekundärliteratur

grundlegend für das Seminar (Lektüre für alle ReferentInnen)

  • Selbmann, Rolf: Gottfried Keller. Romane und Erzählungen. Berlin 2001 (kurze, grundlegende Ausführungen zur Entstehungsgeschichte, zur Frauen-und Todesproblematik, zum Vater-Mutterproblem , zur Künstlerproblematik)
  • Rohe, Wolfgang: Roman aus Diskursen. Gottfried Keller: Der grüne Heinrich. München 1993 (Darlegung zeitgenössischer Positionen zur Ökonomie, zur Naturwissenschaft, zur Psychologie, zur Anthropologie, zum Recht, zur Kunstindustrie - wichitger Hintergrund zum Verständnis des Romans)

weitere empfohlende Sekundärliteratur

  • Boden, Petra , Klein, Wolfgang: Realismus. Vom Weltanschauungsbegriff zum Kunstbegriff und zurück? In: Weimarer Beiträge 36, 1990, S. 268-283
  • Eisele, Ulf: Realismus und Ideologie. Zur Kritik der literarischen Theorie nach 1848 am Beispiel des "Deutschen Museums". Stuttgart 1976
  • Gnam, Andrea: "Sei meine Geliebte, Bild!" Die literarische Rezeption der Medien seit der Romantik. München 2004 (zum Kunstverständnis, zum Verhältnis von Schrift und Bild)
  • Hörisch, Jochen: Gott, Geld und Glück. Zur Logik der Liebe. Ffm 1983 84 A 2981 (Verbindung von Gesellschaftstheorie und Psychoanalyse)
  • Jeziorkowski, Klaus: Gottfried Keller. Dichter über Dichtungen. München 1969 70 A 47 (Briefe und Tagebucheinträge Kellers zum "Grünen Heinrich" u.a..)
  • Kaiser, Gerhard : Gottfried Keller. Das gedichtete Leben. Ffm 1981 82 A 1016 (grundlegend für ästhetische Verknüpfung der Motive und Szenen, z. Teil psychoanalytische Perspektive, auch sehr geeignet um Romanstrukturen und - details im Gedächtnis zu rekapitulieren)
  • Menninghaus, Winfried: Artistische Schrift. Studien zur Kompositionskunst Gottfried Kellers. Ffm 1982 82 A 16291 (Die weiße Wolke als erotisches Motiv/ Das Meretlein// übersichtliche, kurze Aufsätze)
  • Meyer-Sickendiek, Burkhard: Die Ästhetik der Epigonalität. Theorie und Praxis wiederholenden Schreibens im 19. Jahrhundert: Immermann-Keller-Stifter-Nietzsche. Tübingen 2001 (Darlegung der Rousseau- Rezeption als Gegenposition zu autobiographischen und psychoanalytischen Positionen)
  • Steinecke, Helmut: Romanpoetik in Deutschland. Von Hegel bis Fontane. Tübingen 1984 84 A 11904 (grundlegend für Einblick in Romandiskussion mit Dokumentationsteil)

Vorschläge für Hausarbeiten und Referate

  • Die Welt des Kindes: magisches Denken, Kinderspiele, Ausbruchsversuche
  • Die erotischen Erfahrungen Heinrichs
  • Frauen-Bilder: Anna, Judith, Dorothea
  • Motive: Wolken, Gewebe, Leinwand, die Farbe weiß
  • Die Rolle des Geldes
  • Kunstmarkt und Künstlerselbstverständnis (Habersaat, Erikson, Lys, Heinrich)
  • Der Blick auf die Natur (Blick des Reisenden, Blick des Künstlers, die Natur als Maßstab)
  • Kunstauffassungen im "Grünen Heinrich"
  • Heinrich und die Mutter, Heinrich und der Vater

Seminarplan

Mi 20.10.2004

Einführung, Vergabe der Hausarbeiten

Mi 27.10. Zwei Erzähleinstiege

1. Kapitel 1. Buch und "Jugendgeschichte"

Mi 03.11./10.11./17.11. "Jugendgeschichte" (Schwerpunkt 1. Band)

Die Sozialisation des Kindes, Sprache als Einführung in eine symbolische Ordnung, kindliche Gegenwelten, wie entstehen Vorstellungen und Bilder? Aufbau des Romans: Ordnung und Gegenordnung (herrschende Ökonomie versus individuelle Ausbruchsversuche)

Mi 24.11./01.12. "Jugendgeschichte" und romanübergreifende Fragestellungen

Umschlag von Ordnung in Destruktion, die Angebote des Dorflebens, Kreativität und Erotik

Mi 08.12. Realismuskonzeptionen

Konzepte des literarischen Realismus, die beiden Fassungen des "Grünen Heinrich", Reflexionen über Realismuskonzeptionen als Problem der zeitgenössischen Malerei (Ferdinand, Heinrich, Erikson)

Mi 15.12. Realismuskonzeptionen

Fortsetzung

Mi 22.12.

R: Heinrich und die Mutter- Heinrich und der Vater

Mi 12.01.

R: Die erotischen Erfahrungen Heinrichs

Mi 19.01.

R: Frauen-Bilder: Anna, Judith, Dorothea

Mi.26.01.

R: Motive: Wolken, Gewebe, Die Leinwand, die Farbe weiß

R: Die Rolle des Geldes

Mi 02.02.

R: Die Position der Außenseiter

Mi 09.02.

Kunstauffassungen, Künstlermarkt, Künstlerselbstverständnis

Mi 16.02.

Fortsetzung: Kunst